Donnerstag, 5. November 2015

dahin...


Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.

Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.

Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.

Und es leuchten Wald und Heide,
Daß man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.


Theodor Storm

1 Kommentar:

Astrid Ka hat gesagt…

Für diese Gefühle habe ich die Magnolie vor dem Fenster: Jeden Morgen beim Lüften des Schlafzimmers freue ich mich über die unzähligen, silbrig schimmernden Knospen am Geäst. Und ich weiß: Jeden Frühling werden daraus große rosafarbene Blütenglocken. Was tröstet mich dieser Baum!
Herzlichste Grüße!